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Professionelle Prüfung
Von Bernd Raum
Direktinvestitionen in Immobilien erfordern in der Kaufentscheidungsphase besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Die
Gründe dafür liegen vor allem in dem ausgedehnten Anlagehorizont, der Komplexität der vertraglichen Bindungen und der
Heterogenität des Immobilienmarktes an sich. Notwendig ist eine sorgfältige Prüfung. Die Due Diligence Real Estate
(DDRE) ist ein multidimensionales Analyseinstrument zur Aufdeckung von Chancen und Risiken im Zusammenhang
Immobilientransaktionen.
Mehrphasiger Analyseprozess
Dahinter verbirgt sich ein mehrphasiger Analyseprozess, der zum Ziel hat, die objektiven Eigenschaften des Erwerbsobjektes
herauszuarbeiten. Neben diesem klassischen Anwendungsbereich bietet sich die Due Diligence Real Estate vor allem auch zur
Risikoanalyse beim Immobilienrating oder zum Aufbau eines strukturierten Immobilienportfolios an.
Neben dem rein physischen Zustand der Immobilie werden durch die Prüfung vor allem objektimmanente Chancen und Risiken für
den Investor ersichtlich und einschätzbar gemacht. Chancen und Risiken einer Immobilie stehen in engem Zusammenhang mit
dem Standort, den Verträgen und Auflagen, der baulichen Qualität und besonders auch mit dem Facility Management der
Immobilie.
Eine profunde DDRE schließt deshalb sämtliche Fachbereiche, die in Verbindung mit einer Immobilie stehen ein, da zwischen
diesen regelmäßig ausgeprägte Interdependenzen bestehen. Es bringt somit zumindest fragwürdige Ergebnisse, wenn bei einer
Immobilienanalyse nur monetäre Belange im Zentrum der Betrachtung stehen und nicht sämtliche Komponenten, die sich auf die
Performance des Objektes auswirken, einbezogen werden.
Alle Ressorts untersuchen
Zu untersuchen sind die Ressorts Recht, Steuer, Wirtschaft, Bautechnik, Facility Management sowie Immobilienökonomie und
Immobilienbewertung. Damit entsprechende Qualität und Substanz erreicht wird, sollte die Due Diligence Real Estate durch
ein interdisziplinäres Team aus Experten der einzelnen Fakultäten durchgeführt werden. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt
der Due Diligence Real Estate ist die Objektivität des Teams und damit der gesamten Untersuchung, um Resultate mit
Gefälligkeitscharakter zu vermeiden.
Struktur und Organisation des Analyse-Prozesses: Die Gestaltung der Due Diligence Real Estate orientiert sich an den
jeweiligen Erfordernissen eines Erwerbsobjektes. Im Einzelfall kann es sich auch um ein Projekt oder ein Portfolio
handeln. Zusätzlich beeinflussen die Vorgaben und Intensionen des Auftraggebers die Konzeption des Prüfungsverfahrens.
Der prozessoptimale Aufbau und Ablauf der Prüfung ist durch eine modulare Gestaltung der Prüfungsressorts
gewährleistet.
Die Due Diligence Real Estate setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:
Vorbereitungsphase:
Informationsbeschaffung
Aufbereitung der Informationsunterlagen
Erarbeitung und Anpassung der Checklisten
Durchführungsphase:
Wirtschaftliche Analyse:
Finanzielle Analyse
Rechtliche Analyse:
Steuerliche Analyse
Bauliche Analyse
Gebäudetechnische Analyse (TGA-Analyse)
Facility Management Analyse (FM-Analyse)
Organisationsanalyse
Umweltanalyse
Marktwertanalyse
Auswertungs- und Dokumentationsphase:
Erstellung der Fotodokumentation
Auswertung der Untersuchungsergebnisse
Dokumentation der Untersuchungsergebnisse
Vorarbeiten zur Analyse:
Die Ergebnisse der Due Diligence Real Estate werden wesentlich von der Qualität der zur Verfügung stehenden
Informationsunterlagen beeinflusst. Grundlage der Analyse sind sämtliche prüffähigen Informationen, wie Genehmigungs-,
Revisions- und Dokumentationsunterlagen. Darüber hinaus sind genauso Referenzunterlagen über Unternehmen von Interesse,
die mit Erstellung, Management oder Nutzung des Objektes im Zusammenhang stehen.
Anhand quantitativer und qualitativer Gesichtspunkte beurteilen
Die Vollständigkeit ist dabei anhand quantitativer und qualitativer Gesichtspunkte zu beurteilen. Damit die angestrebte Informationsgüte erreicht wird, ist es erforderlich, in bisweilen sehr sensible Bereiche des Verkäufers Einsicht zu nehmen. Folglich sollte der Verkäufer möglichst frühzeitig von der Due Diligence Real Estate in Kenntnis gesetzt werden. Etwaigen Bedenken bezüglich der Herausgabe interner Informationen wird auf Käuferseite durch Unterzeichnung eines sogenannten "Letter of Intent" und auf Beraterseite durch Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung wirksam begegnet. Durch intensive Experteninterviews mit Eigentümern, Verwaltern, Mietern sowie örtlichen Behörden werden die Informationen bezüglich der Immobilie sinnvoll komplettiert. Nach Abschluss der Informationsbeschaffung sollte eine Vollständigkeitserklärung seitens des Verkäufers unterzeichnet werden.
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