Plattenbau-Sanierung

Nachher: Weniger Stockwerke, neues Dach,
neue Fassade - der Totalumbau machte aus dem einstigen Plattenbau ein
schickes Reihenhaus-Ensemble.
Fotos: Nelskamp
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Vorher: So sah der Plattenbau vor dem Umbau aus.
Fotos: Nelskamp
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Einst Statussymbole der DDR, heute Sorgenkinder der Wohnungswirtschaft:
Plattenbauten. In den neuen Bundesländern stehen Hunderttausende solcher
Wohnungen leer. Nicht nur, dass sie von den Menschen heute als unattraktiv
empfunden werden. Sorge bereitet in vielen Gebieten der neuen Bundesländer
auch der Bevölkerungsschwund. Gerade die Jungen fliehen ob der oft zweistelligen
Arbeitslosenquoten in strukturstarke Gegenden im Westen der Republik.
Die Konsequenz: Ganze Häuserzeilen stehen leer. Da Verödung nicht gut für die
Städte ist, bleibt oft nur ein Ausweg: Abriss. Dieser wird sogar finanziell
gefördert. Der beschönigende Titel des Kahlschlagprogramms: "Stadtumbau Ost".
Bis zum Jahr 2009 soll jede dritte der über eine Millionen überzähligen
Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer fallen. Dafür stehen insgesamt 2,7 Milliarden
Euro von Bund, Ländern und Kommunen bereit.
Doch nicht nur der Abriss, auch die Aufwertung vorhandener Wohnungen kann
über dieses Programm gefördert werden - etwa der im Amtsdeutsch genannte
"Teilrückbau" von Plattenbauten. Hier werden die oberen Stockwerke abgerissen,
die unteren dienen als Hülle für neue Wohnungen. Neue Fassade, neues Innenleben,
ein schönes neues Dach - und schon entstehen Häuser, die heutigen Ansprüchen
genügen.
Ein Beispiel dafür steht in Magdeburg (Sachsen-Anhalt): Die Magdeburger
Wohnungsbaugesellschaft hat zwei Wohnblöcke mit insgesamt einst 200 Wohnungen
komplett umgebaut. Die Vorgehensweise: Drei der fünf Geschosse mussten weichen,
stattdessen wurde ein Ziegeldach aufgesetzt. Entstanden sind 44 Wohnungen im
Reihenhaus-Stil mit jeweils zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss.
Anstelle des Flachdachs entstanden kleingliedrige Satteldächer mit Ziegeldeckung.
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Die Wohnungen sind im Reihenhauscharakter
gehalten und haben alle einen separaten Eingang.
Foto: Nelskamp
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Um diese optisch interessanter zu gestalten, wurde bei jedem dritten Reihenhaus
die Firstrichtung des Dachs um 90 Grad versetzt angeordnet.
Völlig neu ist auch die Fassade. Neben dem Einbau neuer Fenster erhielt diese eine
Isolierung. Farblich dominieren jetzt warme Orange- und Brauntöne.
Auch innen ist alles neu: Statt kleiner Wohnungen mit jeweils 56 Quadratmetern
entstanden Einheiten ab 114 Quadratmetern Wohnfläche. Jede Reihenhaus-Wohnung ist
voll unterkellert, mit separatem Eingang, PKW-Stellplatz vor der Tür, Garten und
Terrasse. Die Grundstücke sind bis zu 300 Quadratmeter groß.

Nach hinten heraus gibt es großzügige Grünflächen. Foto: Nelskamp
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Die Sanierung ist nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaft gelungen: Alle 44 Häuser
sind vermietet. Trotzdem will die Firma auf absehbare Zeit keine weiteren Platten
umbauen - ihr fehlt schlicht und ergreifend das Geld.
An einem ähnlichen Projekt arbeitet derzeit die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft
Dresden, die seit April 2002 in mehreren Bauabschnitten eine Plattenbausiedlung
(Kräutersiedlung in Dresden-Gorbitz/Sachsen) umbaut. Auch hier fallen einige Stockwerke
weg - aus einst 829 sollen weniger als 270 (größere) Wohnungen werden.
Die Gesamtwohnfläche soll von knapp 58.000 Quadratmeter auf rund 20.000 Quadratmeter
schrumpfen. Auch im thüringischen Leinefelde wurde nach Angaben der Schader-Stiftung
um- und rückgebaut: Einer von vier Plattenbauten einer Straße musste weichen, um mehr
Platz zu schaffen, die übrigen drei Gebäude erhielten Wintergärten, eine neue Fassade
und teils neue Grundrisse. Ein weiteres Projekt: Im brandenburgischen Cottbus wurde
ein elfgeschossiger Plattenbau abgerissen, aus den Platten wurden fünf kleine
Stadthäuser errichtet.
(Frank Kemter)